Dunkle Burgen

5 May 2013

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In Höfn pfiff der Wind, wir blieben nur eine Nacht im Guesthouse am namensgebenden Hafen. Vor der isländischen Version der Krise 2009 hätte das Zimmer mit Waschbecken (WC und Dusche auf dem Flur) knapp 120 Euro gekostet, heuer “nur” etwas mehr als die Hälfte. Tags drauf ritten wir gen Ostfjorde. Irgendwo auf Höhe der vermeintlichen Lachsfarm bohrte sich dann ein zeckenhaft lauernder Stein in unseren linken Hinterhuf – Verzeihung – Hinterreifen. Unbemerkt nahm das Unglück schleichend seinen Lauf und statt Kaffeepause hieß es kurz vorm Ziel erstmal Reifenwechsel. Bei Sonnenschein, ca. 3 Grad Celsius und ordentlich Wind, wie er eben an der Küste pfeift (die Wortwiederholung erachte ich als angemessen). Mit dem (ausgewachsenen, jedoch nicht mit Spikes bewehrten) Ersatzrad fuhren wir anschließend die letzten Kilometer nach Höskuldsstadir. Das Tal liegt etwas landeinwärts und gilt nach unseren Maßstäben wohl als unbewohnt. Dort hat sich vor drei Jahren die Spanierin Maria ihren Traum erfüllt und mit ihrem isländischen Mann eine Farm mit 1.000 Hektar Land gekauft. Unter ihrem Banner Odin Tours Iceland bieten die beiden Unterkunft und Pferdetouren an, gänzlich unaufgeregt gemäß ihrem Slogan “no stress”. Am Ankunftsnachmittag vereinbarten wir die Tölterei für den nächsten Morgen und gingen noch ein wenig auf Schatzsuche. Am Berg oberhalb des Hüttchens liegen kubikmeterweise vom Berg gewaschene Steine, von denen einige gar grünlich glänzten und bisweilen mädchenverwirrend im Sonnenlicht glitzerten. Auf dem Rückweg hinab ins Tal umkurvte uns dann noch eine siebenköpfige Kleinherde Rentiere – es sollte erstmal nicht besser werden. Über Nacht brach das Wetter ein und vermieste uns die Tölterei, so daß wir uns erstmal über den schneeverwehten Pass nach Egilsstadir machten um das Ersatzrad an seinen Bestimmungsort zurückzubringen – unter den Jeep. Knapp 20.000 isländische Kronen für einen gebrauchten Reifen inkl. Montage ärmer traten wir den Rückweg an, den Stein in der Tasche. Tags drauf schneite es sich so richtig ein, so dass Lektüre angesagt war und wir gestern (Sonntag) die 45 Pferde, vier Hunde und zwei Marias (Mamma Maria heißt auch Maria) hinter uns ließen. Über mehr schneeverwehte Pässe gelangten wir des Nachmittags am See Myvatn an, wo wir nun die zweite Nacht am Lavafeld Dimmuborgir (dunkle Burgen) verbringen.

Rechts Amerika, links Eurasien

Den heutigen Nachmittag dümpelten wir bei gut 2 Grad Celsius im knapp 40 Grad Celsius heißen Becken des Thermalbads „Jarðböð“, nachdem wir erneut die eurasisch-amerikanische Spalte aufgesucht hatten und zuvor durch das Schlammtopffeld Hverir gestapft sind. Der Vulkan Krafla, nur wenige Kilometer entfernt, hatte schneefrei und war nicht zugängig. Im Wikipedia-Artikel finden sich einige Bilder aus dieser bizarren Gegend – derzeit mehr Eis als Feuer.

2 Responses to “Dunkle Burgen”

  1. M+V Says:

    Um die Steine beneide ich euch. Ich würde mir wohl jeden Meter ein paar andere zum mitnehmen aussuchen, wieder verwerfen …
    Um das Wetter seid ihr aber wirklich nicht zu beneiden, hoffentlich wird es noch etwas besser.
    Bleibt trotzdem gut drauf und genießt die Zeit.
    Liebe Grüße M+V

  2. philister Says:

    DIMMU BORGIR…hähä, korrekt! fuso waer sicher begeistert.

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